DEHOGA Bundesverband, Argumente - Hochzeitspaar

Die tägliche Höchstarbeitszeit von regelmäßig acht,
im Ausnahmefall maximal zehn Stunden ist nicht mehr zeitgemäß.

Beispiele gibt es genug: Wenn eine Hochzeit länger dauert, sich der Reisebus verspätet oder das Sommerwetter zum Verweilen im Biergarten einlädt – sollen die Betriebe dann aufhören zu kochen und zu bedienen?

Daher machen wir uns seit vielen Jahren stark für eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes.

Als Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) setzen wir uns ein für eine Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. So können Arbeitszeiten individuell und flexibel auf die Woche verteilt werden, ohne jedoch die Gesamtarbeitszeit zu verlängern.

Wir möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen. Unser Lösungsvorschlag lautet: Höchste Zeit für Wochenarbeitszeit!

Es ist höchste Zeit für Wochenarbeitszeit!

Um es klar zu sagen: Es geht NICHT um mehr Arbeit, sondern um eine bessere Verteilung der Arbeit.
Überstunden werden bezahlt oder mit Freizeit ausgeglichen. Mindestruhezeiten bleiben unangetastet.
Gesundheitsschutz und Jugendarbeitsschutz selbstverständlich auch.

Es geht  vielmehr darum, die Arbeitszeiten flexibler auf die Wochentage aufteilen zu können.
Ganz so wie es die Europäische Arbeitszeitrichtlinie vorsieht. Die Wochenarbeitszeit nach EU-Recht schafft Flexibilität.

Deshalb macht sich der DEHOGA stark für die Möglichkeit einer Wochenarbeitszeit
statt einer starren gesetzlichen Tageshöchstarbeitszeit.

Warum?

Weil das jetzige Arbeitszeitgesetz von vorgestern ist.

Der 8-Stunden-Tag ist fast 100 Jahre alt. Das geltende Arbeitszeitgesetz ist 1994 in Kraft getreten. Vor mehr als 20 Jahren. Seitdem ist die Arbeitswelt schneller, flexibler und digitaler geworden. Mit dieser Realität hat das Recht nicht Schritt gehalten.

Weil die Wirklichkeit schon längst eine andere ist.

Die gesetzliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden, im Ausnahmefall bei zehn Stunden täglich. Doch Gäste und Veranstaltungen halten sich nicht an starre Arbeitszeitregeln. Unsere Betriebe bringt das – trotz bester Personalplanung – immer wieder in Schwierigkeiten.

Weil Flexibilität mehr Zeitsouveränität für Mitarbeiter schafft

Zum Beispiel für die Mutter, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchte – und lieber zwei Tage die Woche 12 Stunden arbeiten, anstatt das Pensum zu stückeln. Oder für die Bedienung im Biergarten, die bei bestem Wetter Schluss machen muss, obwohl sie weiß: morgen regnet es. Oder für die Beschäftigten in Saisonbetrieben, die wissen: Die Sommer-Überstunde ist der beste Schutz gegen die Winterarbeitslosigkeit.

Weil andere Branchen vormachen, dass es geht

In der Luftfahrt, in Medizin und Pflege oder im öffentlichen Dienst gelten flexiblere Regelungen. Anders geht es auch gar nicht. Für Gesundheitsschutz und Freizeit ist durch die Regelungen zu Ruhezeit und Zeitausgleich dennoch gesorgt. Das muss im Gastgewerbe in Deutschland auch möglich sein.

Weil eine unbürokratische Regelung nötig ist

Aufwändige und teure Sondergenehmigungen helfen der Branche nicht weiter. Ebenso wenig wie „betriebliche Experimentierräume“ oder komplexe Konstruktionen aus Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen, die nur Juristen verstehen. Der Gesetzgeber ist aufgefordert, für ein einfaches Problem eine praktikable Lösung zu finden.

Beispiele

Hochzeit: Ein Gesetz gegen die Gäste

Die Hochzeitsgesellschaft trifft um 17 Uhr ein. Die Arbeitszeit der Mitarbeiter begann zur Vorbereitung um 15 Uhr. Das Veranstaltungsende war für 1 Uhr nachts verabredet. Aufgrund der guten Stimmung möchten die Gäste spontan bis 4 Uhr morgens verlängern. Geht nicht! Sagt das Arbeitszeitgesetz. Der Gastronom steht vor der Wahl: Die Hochzeitsfeier pünktlich beenden oder ein saftiges Bußgeld von bis zu 15.000 Euro kassieren.

Nebenbeschäftigung: Ein Gesetz gegen die persönliche Freiheit

Eine in Teilzeit (25 Stunden pro Woche) arbeitende Büroangestellte verdient sich am Wochenende als Tresenkraft an der Bar etwas hinzu. Am liebsten jedoch würde sie jeden Freitag von 18 bis 24 Uhr aushelfen. Geht nicht! Sagt das Arbeitszeitgesetz. Da sie am Freitag bereits in ihrem Büro von 9 bis 14 Uhr gearbeitet hat, darf sie den sechsstündigen Abendservice nicht übernehmen. Die Mitarbeiterin wird daran gehindert, sich etwas hinzuzuverdienen!

Familie: Ein Gesetz gegen die Vernunft

Eine Mutter von zwei Kindern möchte in einem Hotel arbeiten, aber auch ausreichend Zeit mit ihren Kindern verbringen. Deshalb möchte sie gerne an zwei Tagen pro Woche zwölf Stunden arbeiten. Geht nicht! Sagt das Arbeitszeitgesetz.

NOCH EINMAL IN ALLER DEUTLICHKEIT

Es geht uns um die Flexibilisierung eines starren Gesetzes.
Es geht ausdrücklich NICHT um eine Verlängerung des Arbeitsvolumens
und erst recht nicht um unbezahlte Mehrarbeit.
Es geht um mehr Flexibilität, von der alle profitieren:
Unternehmer und Mitarbeiter. Und natürlich unsere vielen Millionen Gäste
aus Deutschland und der ganzen Welt, die unsere Betriebe besuchen und zu jeder Zeit
besten Service erwarten – 365 Tage im Jahr,
7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.

Es ist höchste Zeit für Wochenarbeitszeit!